Bei Cyberangriffen denken viele zuerst an technische Schwachstellen: veraltete Software, Sicherheitslücken in Anwendungen oder eine unzureichende Firewall. Doch ein erfolgreicher Angriff muss nicht zwangsläufig auf fehlende Sicherheitstechnik zurückzuführen sein.
Die aktuelle Bitkom-Studie „Wirtschaftsschutz 2026“ zeigt, dass ein großer Teil der Schäden durch Cyberangriffe dort entsteht, wo Unternehmen selbst Einfluss nehmen können: bei der Konfiguration ihrer Systeme, der Vergabe von Zugriffsrechten und der Erkennung von Sicherheitsvorfällen.
Laut der Studie wurden 76 Prozent der Gesamtschäden in Unternehmen durch Cyberattacken verursacht. Als Gründe dafür, dass Cyberangriffe tatsächlich zu Schäden geführt haben, nennen die befragten Unternehmen unter anderem:
- 59 %: unzureichende Erkennung von Sicherheitsvorfällen
- 57 %: Fehlkonfigurationen von IT-Systemen
- 55 %: unzureichendes Identitäts- und Zugriffsmanagement
Danach kommen erst mit 50% die technischen Schwachstellen.
Was bedeutet das für die IT-Sicherheit im Unternehmen?
1. Sicherheitsvorfälle werden zu spät erkannt
Ein Cyberangriff beginnt nicht immer mit einem sofort sichtbaren Ausfall. Angreifer können sich bereits Zugang zu einem System verschafft haben, ohne dass dies im Arbeitsalltag unmittelbar auffällt.
Genau deshalb spielt die Erkennung ungewöhnlicher Aktivitäten eine zentrale Rolle. Auffällige Anmeldeversuche, ungewöhnliche Datenübertragungen oder Veränderungen innerhalb der IT-Infrastruktur können Hinweise auf einen Sicherheitsvorfall sein.
Fehlen jedoch geeignete Monitoring- und Erkennungsmechanismen, können solche Aktivitäten lange unentdeckt bleiben. Das verschafft Angreifern Zeit, sich innerhalb der Infrastruktur zu bewegen, weitere Systeme zu kompromittieren oder Daten abzugreifen.
Unternehmen sollten sich deshalb nicht nur fragen: „Wie verhindern wir einen Angriff?“
Sondern ebenso: „Wie schnell würden wir überhaupt erkennen, dass wir angegriffen werden?“
Denn vollständige Prävention ist kaum möglich. Umso wichtiger ist es, einen Sicherheitsvorfall möglichst frühzeitig zu erkennen und darauf reagieren zu können.
2. Fehlkonfigurationen schaffen unnötige Angriffsflächen
Eine Sicherheitslösung ist nur so wirksam wie ihre Konfiguration.
Im Unternehmensalltag verändern sich IT-Infrastrukturen kontinuierlich. Neue Anwendungen kommen hinzu, Mitarbeitende wechseln, Cloud-Dienste werden eingeführt, Systeme miteinander verbunden und Einstellungen angepasst.
Dadurch können mit der Zeit Konfigurationen entstehen, die ursprünglich nicht vorgesehen waren. Dienste sind beispielsweise unnötig erreichbar, Sicherheitseinstellungen werden nicht konsequent umgesetzt oder Systeme unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Sicherheitsstandards.
Das Problem: Eine Fehlkonfiguration ist im normalen Arbeitsalltag häufig nicht sichtbar. Systeme funktionieren weiterhin – und genau deshalb bleibt die dadurch entstandene Schwachstelle möglicherweise lange unbemerkt.
Regelmäßige Überprüfungen der IT-Infrastruktur und ihrer Konfigurationen sind daher ein wichtiger Bestandteil eines ganzheitlichen Sicherheitskonzepts.
3. Zu viele oder falsche Zugriffsrechte erhöhen das Risiko
Wer darf eigentlich auf welche Daten, Systeme und Anwendungen zugreifen?
Diese Frage klingt zunächst einfach. In gewachsenen IT-Strukturen ist die Antwort jedoch häufig komplex.
Mitarbeitende wechseln Abteilungen, übernehmen neue Aufgaben oder verlassen das Unternehmen. Externe Dienstleister benötigen temporär Zugriff auf bestimmte Systeme. Gleichzeitig kommen neue Anwendungen und Cloud-Dienste hinzu.
Werden Berechtigungen dabei immer nur ergänzt, aber nicht regelmäßig überprüft, können mit der Zeit unnötig umfangreiche Zugriffsrechte entstehen.
Genau hier setzt ein strukturiertes Identitäts- und Zugriffsmanagement an. Mitarbeitende sollten grundsätzlich nur auf die Systeme und Daten zugreifen können, die sie für ihre Tätigkeit tatsächlich benötigen.
Dazu gehören unter anderem klar definierte Rollen und Berechtigungen, regelmäßige Überprüfungen bestehender Zugriffe sowie Prozesse für Eintritte, interne Wechsel und Austritte von Mitarbeitenden.
Auch zusätzliche Schutzmechanismen wie eine Multi-Faktor-Authentifizierung können dazu beitragen, das Risiko kompromittierter Benutzerkonten zu reduzieren.
IT-Sicherheit ist mehr als einzelne Sicherheitsprodukte
Firewall, Endpoint-Security und aktuelle Software bleiben wichtige Bestandteile einer sicheren IT-Infrastruktur. Die Zahlen der Bitkom-Studie zeigen jedoch, dass technische Lösungen allein nicht ausreichen.
Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Technologie, Konfiguration, Zugriffsmanagement, Überwachung und klar definierten Prozessen.
Unternehmen sollten deshalb regelmäßig überprüfen:
- Sind unsere Systeme sicher und korrekt konfiguriert?
- Wissen wir, wer auf welche Daten und Anwendungen zugreifen kann?
- Werden nicht mehr benötigte Berechtigungen konsequent entfernt?
- Können wir ungewöhnliche Aktivitäten frühzeitig erkennen?
- Ist klar definiert, was bei einem Sicherheitsvorfall passiert?
- Wissen die verantwortlichen Mitarbeitenden, welche Schritte im Ernstfall notwendig sind?
Denn eine Sicherheitslücke muss nicht immer durch eine neue technische Schwachstelle entstehen. Manchmal entsteht sie schleichend im eigenen Unternehmen und bleibt so lange unsichtbar, bis sie tatsächlich ausgenutzt wird.
Cybersecurity beginnt mit Transparenz
Unternehmen können nicht jedes Cyberrisiko vollständig ausschließen. Sie können jedoch dafür sorgen, ihre eigene Angriffsfläche möglichst klein zu halten und auf einen Sicherheitsvorfall vorbereitet zu sein.
Dafür reicht es nicht, einzelne Sicherheitsprodukte einzusetzen. IT-Sicherheit muss als kontinuierlicher Prozess verstanden werden: Systeme überprüfen, Berechtigungen hinterfragen, Aktivitäten überwachen und bestehende Sicherheitsmaßnahmen regelmäßig an die aktuelle Infrastruktur anpassen.
Sie möchten wissen, wo in Ihrer IT-Infrastruktur mögliche Sicherheitsrisiken bestehen und wie Sie Ihre Systeme ganzheitlich absichern können?
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